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{Thoughts} Liebe in Zeiten von Social Media

Liebe in Zeiten von Social Media Kolumne Modeblog Oldenburg Bremen Hamburg

Alles hat sich verändert, seit Social Media unser Leben dominiert. Wie wir essen, wie wir reisen, sogar wie wir lieben. Egal, was wir tun: alles ist ein Statement. Ob wir jeden Moment unserer Beziehung teilen oder sie bewusst ganz außen vor halten. Wir sagen damit etwas aus. Ich will mich ja auf keinen Fall Merkels Worten anschließen, dass das Internet Neuland für uns ist. Meine Generation ist mit dem Internet aufgewachsen. Trotzdem stellen sich uns in Zeiten von Social Media Fragen, die die Eltern uns nicht mehr aus eigener Erfahrung beantworten können. Poste ich Bilder von mir und meinem Freund bei Instagram? Oder von meinen zukünftigen Kindern? Wie viel sollte ich von meinem Leben wirklich preisgeben? Diese Frage wird besonders wichtig, wenn andere Personen involviert sind. Für den richtigen Umgang mit Social Media gibt es noch keine Musterlösungen und keinen Schulunterricht. Jeder muss für sich seinen eigenen Weg finden.

Ich gehöre inzwischen zu den Menschen, die einige Pärchenfotos öffentlich auf Instagram posten. Ich habe sogar hier auf dem Blog schon das ein oder andere Mal über meinen Freund, unsere Beziehung und das Zusammenziehen geschrieben. Meine Gedankengänge dazu möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. Außerdem möchte ich Fragen beantworten. Fragen, die mir gestellt werden oder die ich mir selbst stelle. Ich möchte es zumindest versuchen.

Eine Frage von Respekt

Von oder mit wem sollte ich überhaupt Bilder posten? Hier gibt zum Glück das deutsche Gesetz schon eine grundlegene Anweisung. Denn wir dürfen grundsätzlich erst mal niemanden fotografieren, wenn derjenige es nicht auch gestattet. Daran sollten sich natürlich auch Blogger halten. Ich benutze inzwischen gerne Insta Stories um meinen Alltag mit euch zu teilen. Jedoch würde ich nie jemanden heimlich filmen, der das nicht möchte. Das finde ich absolut nicht in Ordnung. Deswegen könnt ihr davon ausgehen, dass jedes Bild dass ihr von mir und meinem Freund / einer Freundin / meiner Mama / etc findet auch von denjenigem abgesegnet wurde. Demnach verbringe ich mit deutlich mehr Personen Zeit, als ihr vielleicht durch meine Social Media Präsenz erwarten würdet.

Inwiefern Kinder schon entscheiden können und dürfen, was mit ihren Bildern passiert ist ein schwieriges Thema und ich bin froh, dass ich mich damit noch nicht auseinander setzen muss.

Warum Beziehungsbilder posten?

Missgünstige Stimmen rufen bei dieser Frage gerne, dass man sich selbst durch Pärchenfotos profilieren möchte und nach außen als perfekte Beziehung darstellt. Teilweise kann das natürlich ein Stück weit zutreffen. Jedoch sehe ich andere Gründe, warum man „Pärchen“-Content veröffentlicht.

So kitschig es klingt: Mein Blog ist mein Leben. Nicht umsonst trägt er inzwischen meinen eigenen Namen. Alles, was mich interessiert und beschäftigt ist an diesem kleinen Ort im Cyperspace zu finden. Ich schreibe über die Uni, über meine Wohnung, meine Kleidung, meine Ernährung… warum sollte ich also meinen Freund außen vor lassen? Schließlich nimmt er einen riesigen Teil in meinem Leben ein. Für mich wäre es eher komisch, immer von „meiner“ Wohnung zu sprechen und ihn aus meinem Alltag zu zensieren.

Mein Freund hat kein Problem damit, hier ab und zu präsent zu sein. Es ist bestimmt nicht immer einfach, eine verrückte perfektionistische Bloggerin als Freundin zu haben (sein Statement dazu hier).  Dennoch haben wir schon seit dem Anfang der Beziehung gerne gemeinsame Fotos gemacht um Erinnerungen zu schaffen. Warum diese also nicht teilen? Tatsächlich tauchte Jan aber erst so richtig auf dem Blog auf, als wir fast ein Jahr zusammen waren. Bei sehr frischen Beziehungen würde ich es wahrscheinlich noch heute so handhaben.

Was, wenn wir uns mal trennen?

Ich bin verliebt und ich bin sehr glücklich. Trotzdem bin ich nicht naiv. Ich bin mir jeden Tag der Möglichkeit bewusst, dass wir uns eines Tages trennen könnten. Genau so wie ich mir jeden Tag bewusst bin, dass mit den Menschen, die ich liebe, etwas schlimmes passieren könnte.  Trotzdem vertraue und hoffe ich jeden Tag darauf, dass nichts geschehen wird. Es lebt sich so einfach leichter.

Wenn Jan und ich uns trennen würden, täte das weh. Und zwar so richtig weh. Wir sind füreinander die erste ernsthafte Beziehung, unsere Familien beginnen gerade zusammen zu wachsen. Von meinem ersten Semester an der Uni, meinem ersten WG Zimmer bis zu der ersten gemeinsamen Wohnung: wir haben alles gemeinsam durchlebt. Niemand kennt mich so gut. Auch mein Blog wäre ohne Jans Unterstützung nie das geworden, was er jetzt ist. Trotz allem denke ich, dass Angst kein guter Ratgeber für Entscheidungen ist. Ich könnte mich auch mit meiner Familie oder meinen Freunden zerstreiten: ist das ein guter Grund, sie vor euch geheim zu halten? Ich denke nicht. Wir lieben uns seit über 2 Jahren. Wenn wir uns trennen, wird es so oder so schmerzhaft. Mit Pärchenbildern oder ohne.

„Warum seid ihr nicht mehr zusammen?“

Kennt ihr diese Fragen, bei denen euer geschundenes Herz jedes Mal noch ein kleines bisschen mehr bricht? Die obige ist eine davon. Denn falls wir uns mal trennen, wird mit jeder Nachfrage, mit jedem Kommentar ein weiteres Mal Salz in die offene Wunde gestreut. Offline oder online. Dessen bin ich mir bewusst.

Dennoch vertraue ich auf zwei Dinge. Erstens. Ich vertraue auf meine Follower. Ich vertraue darauf, dass die meisten genug Taktgefühl besitzen werden, nicht immer mehr schmerzende Fragen zu stellen. Dass ihr verständnisvoll sein werdet – oder es euch vielleicht auch gar nicht weiter interessiert. Ich bin schließlich kein Social Media Superstar.

Zweitens. Ich vertraue darauf, dass es Möglichkeiten gibt, den Strom der brennenden Fragen abzustellen. Auf meinem Instagram Profil muss ich nur zwei Mal mit dem Finger wischen – Und schon gibt es keine Kommentare mehr, keine Nachrichten. Ich könnte im Zweifelsfall die App auch einfach löschen, bis die ersten Wunden verheilt sind. Glaubt mir: es ist viel einfacher, Nachrichten nicht zu öffnen als der Neugier im wahren Leben zu entgehen. Dem Mitleid, den fragenden Blicken. Denn traurig wäre es sowieso.

Was passiert dann mit den Bildern?

Ab und zu stelle ich mir trotzdem die Frage, was mit unseren gemeinsamen Bildern passieren würde, wenn wir nicht mehr zusammen sind und uns nicht mehr leiden können. Letztendlich komme ich immer wieder zum gleichen Schluss: Ich weiß es nicht. Ich kann es noch nicht wissen. Eine Trennung ist so ein schwieriges Ereignis im Leben, dass jedem gestattet sein sollte, auf seine eigene Art damit umzugehen. Deswegen werde ich tun, was sich in diesem Moment richtig anfühlt. Ich hoffe natürlich, dass falls wir uns mal trennen, wir im Guten auseinander gehen und immer noch so gerne an unsere gemeinsame Zeit zurückdenken wie jetzt. Dann werden vielleicht auch die Bilder Bestand haben. Es kann aber natürlich auch sein, dass das mit uns beiden unschön auseinander geht. Und wenn ich dann das Bedürfnis habe, die Bilder von uns gegen die Wand zu schmeißen und zu schreien und einfach alles aus meinem Leben zu verbannen, was mich an den Schmerz erinnert, dann werde ich das tun. Wenn es mir dadurch besser geht.

Doch vielleicht bleibt es auch einfach so, wie es jetzt ist. Dann kaufen wir uns irgendwann eine Eigentumswohnung und heiraten ganz groß in weiß und bekommen zwei entzückende Kinder. Wie schön wird es sein, in zwanzig Jahren auf der Couch zu sitzen und auch online auf unser bisheriges gemeinsames Leben zurück zu blicken? Denn vielleicht hält es auch einfach für immer. Wie lächerlich würde uns dann ein Versteckspiel auf Social Media vorkommen.  Es gibt doch selten einen guten Grund, seine Liebe zu verstecken.


Letztendlich bleibt mir nur der obligatorische Rat an euch, auf euer Gefühl zu hören. Jeder muss heutzutage selbst entscheiden, wo er die Grenzen seiner Online Präsenz zieht. Auch meine sind nicht tiefenscharf fundiert, sondern eher subjektive Grundsätze. Deswegen würde ich mich über eine rege Diskussion zu diesem Thema freuen und bin gespannt auf eure Meinungen.

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2 Comments

  • Reply
    Paleica
    29. Juni 2017 at 7:58

    ich schätze, dass jede generation in gewissen entscheidungen vor neuen situationen steht und bei uns ist es halt das internet, das doch einfach einen großen teil unseres lebens ausmacht. ich würde mal sagen, auf sein gefühl zu hören und sich bewusst für einen weg zu entscheiden, was und wie man teilen mag, ist in jedem fall sinnvoll. ich wünsche dir auf jeden fall, dass der fall eintritt, an dem ihr sehr viel später mal hier blättert und euch an eure erste gemeinsame zeit erinnert!

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    magdaeva
    15. Juli 2017 at 12:28

    Ein wundervoller Beitrag! Ich persönlich poste auf Instagram die für mich schönen Momente oder Dinge im Leben. Und ich habe bis jetzt hin auch das ein oder andere Bild mit meinem Freund hochgeladen, weil er mich immer glücklich macht und an den Moment erinnert. Klar, auch, wenn man sich streitet fällt es einem schwer wieder zum normalen Alltag zurück zukehren, aber mit der Zeit legt sich wieder alles und man erinnert sich gerne an die gemeinsamen Momente. Vlt. würden sich die ein oder andere fragen, warum man denn überhaupt Bilder mit dem Partner hochlädt, würde ich sagen, weil er mich glücklich macht und sehr gut kennt. Ich habe sowie du meinen Freund kennengelernt. Er war der, der mit mir erlebt hat wie mein Studium und somit ein neuer Lebensabschnitt angefangen hat, der sich um mich kümmert, wenn es mir nicht gut geht und mich immer zum lachen bringt. Es sind Momente, die man nicht so schnell vergisst und auch nicht vergessen möchte. Ich finde, dass es das ist was zählt. Ich finde, dass viele Menschen die in einer Beziehung sind können solche Fotos oder auch Beiträge auf Sozialen Medien besser nachvollziehen, denn sie kennen selbst das Problem ;)

    Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße, magdaeva von https://lifestylemeetsmagdaeva.blogspot.com/

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