{Thoughts} Mehr als eine Schreibblockade

Thoughts Mehr als eine Schreibblockade

Eigentlich ist es doch verrückt. Ich schreibe hier gerade einen nachdenklichen Text darüber, warum ich kaum noch nachdenkliche Texte veröffentliche. Meine Tagebücher verstauben in ihren Kisten, jahrelang unangerührt. Ich liebe das geschriebene Wort – wahnsinnig. Mein Kopf ist ein einziger Fundus von Zitaten, Songtexten und Gedichten. Ich finde es faszinierend, wie sehr sich manche Wörter in unsere Herzen brennen können. Zum Glück bin ich kein großer Fan von Tattoos – denn sonst wäre wahrscheinlich schon mein ganzer Körper tapeziert mit Wörtern.

Klar, ich habe manchmal nicht besonders viel Zeit für mich. Ich habe für die Uni so viel zu schreiben und zu lesen, dass mein Kopf einfach schon zu voll ist. Doch das alles erklärt nicht, warum es mir inzwischen so schwer fällt, einfach zu schreiben. Und zwar nicht nur kleine Tipps oder Anekdoten zu meinen Outfits. Ich habe ja Ideen, Satzanfänge doch dann… wird nie etwas daraus. Überall finden sich inzwischen Textschnipsel, angefangene und halbfertige Posts. Doch auf „veröffentlichen“ klicke ich nie. Ich stehe mir selbst im Weg. Es reicht von „Das interessiert doch keinen“ zu „Das ist zu privat“. Meine Unsicherheit findet immer neue Ausreden. Darf ein Text auch einfach mal traurig, nachdenklich sein? Ganz ohne Happy End? Oder spricht mich dann mein gesamtes Umfeld besorgt an, ob alles bei mir in Ordnung ist?

Ich will schreiben, doch ich mache es mir selbst kaputt. Vielleicht habe ich zu viele gute Texte gelesen, vielleicht habe ich zu viele Journalismus Seminare besucht – sodass mir meine eigenen Worte so gar nicht mehr gefallen mögen. Vielleicht habe ich zu klare Vorstellungen davon, was falsch und was richtig ist. „Im Vergleich zu meinen anderen Texten werden alle enttäuscht sein“ – ich bin mir selbst mein schärfster Kritiker. Unfassbar eigentlich, dass mir gerade jetzt so viele Ausreden einfallen, wenn es bei den anderen Worten nur auch so einfach wäre.

Dabei schäme ich mich ja auch nicht für die schlecht fotografierten Outfitposts oder schrägen Kombinationen, die ich mal ins Netz gestellt habe. Es ist ja selbstverständlich, dass man sich verändert und entwickelt. Warum kann ich nicht so von meinen Texten denken? Vielleicht weil ein schlechter Geschmack für mich nicht so schlimm ist wie Inkompetenz oder bloße Talentlosigkeit. Es ist ja nur Kleidung, das hier – das bin ich. Kritik ist hier schmerzhafter. Ein schlecht geschriebener Text ist für mich keine Geschmacksfrage.

Perfektion vergiftet. Jeder ehrgeizige Mensch weiß das. Sie zerstört jegliche Kreativität, Leichtigkeit und das will ich nicht mehr. Nur dieses Mal möchte ich endlich etwas zu Ende bringen. Auch mit diesem Text bin ich nicht zufrieden, egal wie oft ich ihn auch korrigiere. Doch ich veröffentliche ihn trotzdem – um das Eis zu brechen und um mir endlich selbst zu sagen: Es ist okay, zu üben, Fehler zu machen und sich dabei zu verbessern. Auch wenn es sich so anfühlt, als ob die ganze Welt dabei zusieht.

Also: Hallo Welt, hier bin ich. Ab heute werde ich versuchen, meine Gedanken wieder öfter aufs Papier zu bringen. Für mich. Du kannst mir dabei zu schauen, wenn du möchtest. Aber sei bitte nicht zu streng zu mir.


signatur

10 Comments

  • Dein Text ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie sehr sich Eigen- und Fremdbild unterscheiden können. Dein Post ist nicht nur stimmig, mitreißend und gefühlvoll sondern spricht auch vielen von uns aus der Seele. Du bringst es genau auf den Punkt: das was uns am meisten im Weg steht, sind wir selbst. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag,

    Ganz liebe Grüße,
    Julia

  • Liebste Fee,

    ich kenne das selbst, von mir – diese Blockade. Früher habe ich sehr viel geschrieben. Irgendwann wurde es aus zeitlichen Gründen immer weniger und mittlerweile habe ich das Gefühl, dass meine Kreativität genau so eingestaubt ist, wie meine alten Texte. Es ist verrückt jemandes Gedanken zu lesen, und sich zu denken: „Ich bin nicht die Einziege?“ Viele in meinem Umkreis finden, dass Schreiben nichts besonderes ist. Sie fragen sich, was das bringt und warum mir so viel daran liegt. Aber genau das ist das Problem. Mir liegt soviel daran, dass es sich mit der Zeit zu etwas entwickelte, das ich perfekt machen möchte. Dabei liegt die Perfektheit eines Textes in den ehrlichen, unperfekten Worten. Wir sind alle nur Menschen und machen Fehler. Auch in der Lyrik sollten wir das akzeptieren, denn die kleinen Fehler machen einen Text doch erst zu dem was er ist – der Übertragung von Emotionen.

    Ich hoffe das war jetzt nicht all zu schnulzig.
    In Liebe Vanessa :)

  • Liebe Fee,

    Berührender Post! Du sprichst mir aus der Seele und ich mag deinen Schreibstil. Schreibbblockaden hatte ich vorallem während meiner BAchelorarbeit immer wieder. Bei mir war es einfach der enorme Zeitdruck mit Kind alles zu schaffen.

    Ich wünsche Dir jedenfalls ganz viele neue Gedankenflüsse. Du kannst das mit dem Schreiben gut :)

    Alles Liebe,
    Birte
    SHOW ME YOUR CLOSET

  • Es war bestimmt eine ziemlich große Überwindung, diesen Post überhaupt zu veröffentlichen…Umso schöner, dass Du dich jetzt getraut hast, diesen Schritt zu wagen! Ich freu mich für dich und ich bin stolz dich! :*

  • Liebe Fee, das ist ein Mega guter Artikel und du kannst wirklich richtig gut schreiben. Das mit der Blockade kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich sitze auch öfters beim Schreiben vor dem Laptop und starre ihn einfach an oder schreibe zum gefühlten zehnten mal einen einzigen Satz um. Plötzlich hemmt einen der eigene Anspruch. Man legt sich die eigene Messlatte so hoch, dass es einen die Leichtigkeit nimmt. Vielleicht auch manchmal zu hoch? Perfektion ist nicht schlimmes. Sie darf nur nicht zum Zwang werden.

    Liebe Grüße
    Marcel von http://marsilicious.com

  • Liebe Fee,
    bitte schreib weiter! Auch wenn ich nur über diesen Post zu dir gelangt bin und zum ersten Mal von dir lese, so möchte ich, dass du das weiter machst. Für dich. Vielleicht auch für deine Leser. Aber in erster Linie für dich. Das ist wichtig. Die Liebe zum geschriebenen Wort bleibt, das kenne ich nur zu gut. Egal, wie viele Regeln man in unzähligen Seminaren gelernt hat. Schreiben ist sogar zu meinem Beruf geworden. Aber auf meinem Blog, in meiner Freizeit, da lasse ich mich von all den Regeln nicht einengen. Da sind die Kritiker auch nicht die, die einen bezahlen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, für das Geschriebene kritisiert zu werden. Aber ich glaube, davor musst du dich nicht fürchten, denn schreiben kannst du ja – das beweist auch dieser Post! Also bitte: Probier dich aus, sei frei, sei ungezwungen. Warum solltest du anders sein?

    Alles Liebe
    Julia

  • Liebe Fee über Pinterest bin ich zu deinem Post gelandet und kann mich den Anderen nur anschließen Schreib weiter so wieDu diesen Post geschrieben hast. Er berührte mich, er zeigt auch mir wie festgefahren ich in meinen Gedanken bin, was mir wichtig ist beim Schreiben und er hat mir sehr geholfen. Habe gerade angefangen an meinem ersten Roman zu schreiben und mir fielen auch lauter solche Ausreden ein, wie Dir., wie Du sie beschrieben hast.Du hast mir auf jeden Fall geholfen meine Blokade, meine Selbstzweifel zu verringern.Ich werde bestimmt noch viele deiner Posts lesen. Du bist gut in dem was Du machst…..weiter so und tolle Pfingsten
    Pia

  • So ging es mir ein gutes Jahr lang – ich leide schon seit ich denken kann an Borderline und depressionen, das war die letzten Monate sehr schlimm. dazu kam krasser perfektionismus und ewiges unzufriedensein mit allem, was ich produziert habe. Wenig hilfreich. letztendlich stand ich mir selbst im wege.
    Ich habe es dann gelassen und nichts erzwungen, auf meinem noch neuen blog blieb es still. Es brachte alles nix… Statt dessen meditierte ich, malte und zeichnete wieder, journaling und ein bullet journal fing ich wieder an…
    Vor einigen tagen war das Alles plötzlich wie weggeblasen, auf einmal wollte ich wieder und war nicht mehr so streng mit mir, auf einmal sprudelten die worte und es ging wieder.
    Ich bin mir sicher, dass das auch bei dir nur eine phase ist, die irgendwann wieder vergeht.

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