{Thoughts} Sind alle Blogger selbstverliebt?

Sind alle Blogger selbstverliebt - Modeblog Oldenburg Floral Fascination

„Aber muss man für einen Blog nicht total egozentrisch und selbstverliebt sein?“, fragt sie mich vor dem ganzen Kurs. Ich habe gerade meine Prüfungsleistung vorgestellt. Ein Projekt, dass sich mit dem Zusammenhang von Körperbildern und Blogs auseinandersetzt. Blogs sind für mich an der Uni immer ein dankbares Thema – Es ist modern, interessant und ich kann viel dazu sagen: Denn ich blogge selbst seit vielen Jahren. Doch das weiß das laute Mädchen aus der ersten Reihe nicht. Und die, die es wissen, schmunzeln schon während alle auf meine Antwort warten.

Es ist ja eine durchaus berechtigte Frage. Denn zu einem (Mode-)Blog gehört zwangsläufig dazu, dass man sich zeigt. Sich vor die Kamera stellt, die Bilder hinterher veröffentlicht und sagt: Hey, hier bin ich! Und natürlich zieht jedes Hobby eine gewisse Art von Menschen an. Auch beim Tanzen, Schauspielern oder Singen trifft man selten Leute mit einem fehlendem Selbstbewusstsein. Doch irgendwie steht man als Blogger ja auch ständig ganz bewusst im Fokus. Wir kennen kaum eine Trennung von Bühne und Privatleben. Spätestens seit Snapchat und Instagram heißt es bei vielen rund um die Uhr: „Ich bin da, das mache ich gerade. Seht mich an!“

Ich denke, man darf es sich nicht zu einfach machen. Natürlich gibt es ein paar Bloggerinnen, auf die einige Klischees zutreffen. Gut, wahrscheinlich würde auch ich keine Outfitfotos veröffentlichen, wenn ich jeden Tag weinend vorm Spiegel sitzen würde. Allein das Shooting wäre doch eine Qual mit den ganzen neugierigen Blicken. Und es braucht ein bisschen Mut um sich dem World Wide Web und seinen – nicht nur netten – Kommentaren zu stellen. Aber macht uns das alle zu arroganten Menschen? Muss es nicht irgendetwas zwischen Selbstverliebtheit und Selbsthass geben?

Eigentlich kann ich doch in diesem Post sowieso nur von mir selbst sprechen. Und ich weiß, dass ich mit mir selbst im Reinen bin. Ich kenne meine Stärken, aber auch meine Schwächen. Ich finde mich in Ordnung, so wie ich bin. Ich bin nichts Besseres – aber auch nichts Schlechteres. Und deswegen kann ich meine Leidenschaft hier ausleben. Damit meine ich nicht, vor der Kamera zu stehen – dann hätte ich es als Model versucht. Sondern mit der Mode zu spielen, mein Leben und meinen Stil zu dokumentieren und mich mit Anderen auszutauschen. Dieser Blog ist aus der Liebe zum Schreiben entstanden und nicht aus der Liebe zu mir selbst. Ich bin mir sicher, dass meine Freunde mich niemals als besonders narzisstisch beschreiben würden. Aber erzählen kann ich euch natürlich viel, die Wenigsten von euch kennen mich persönlich.

Doch eins will ich euch noch sagen: Selbstbewusstsein ist etwas Gutes. Gerade wir Frauen haben es gelernt, uns ständig klein zu machen und unser Aussehen zu kritisieren – nur um ins Schema zu passen. Heutzutage ist es „in“, seinen Körper zu hassen. Wer nicht mitmacht, wird als arrogant abgestempelt. Dabei ist nichts falsch daran, selbstbewusst zu sein solange man sich nicht gedanklich über Andere stellt. Ich darf „Hey, hier bin ich!“ sagen. Manchmal wünsche ich mir, dass noch viel mehr Leute das tun würden. Ohne Rücksicht darauf, was andere Menschen über sie denken könnten. Vorurteile sind böse und trotzdem werden wir sie nicht los. Sie sind der Grund, warum ich lange kaum jemanden von meinem Blog erzählt habe. Aus Unsicherheit – und das ist vorbei. Denn ich darf mich der Welt zeigen und ich darf stolz sein auf das, was ich mir hier erschaffen habe.

Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, was ich dem Mädchen aus der Uni damals geantwortet habe. Aber ich weiß noch, dass sie verlegen war, als sie erfuhr, dass ich auch einen Blog habe. Und so wie ich ungeschminkt in meinem riesigen Schlabberpullover vor ihr stand, tat es ihr dann sogar ein bisschen leid.


 

signatur

18 Comments

  • Wirklich toll geschrieben, liebe Fee!
    Ich finde auch, dass man zwischen Selbstverliebtheit und Selbstbewusstsein unterscheiden muss. Ich halte mich übrigens für keines von Beiden, aber das Bloggen macht mir nunmal Spaß – so einfach ist das :D

    Liebe Grüße,
    Julia

  • Ich glaube ziemlich viele Menschen denken, dass wenn man einen Blog schreibt völlig überzeugt von sich ist & alles schön und toll an sich findet. Meiner Meinung nach hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun und ich finde es wirklich schade wenn andere Menschen so über viele Blogger denken. Natürlich gehört zum Bloggen auch Selbstbewusstsein und Überzeugung dazu, aber ich glaube kein Mensch ist zu 100% zufrieden mit sich, man kann ja immer Sachen an sich lebst verbessern. Dein Post hat mir super gefallen, toll geschrieben :)

    Liebe Grüße :)
    Measlychocolate by Patty

  • ich hab das auch schon mal zu hören bekommen und kann immer nur sagen „kann man sein, muss man aber nicht“… ich selbst würde mich absolut nicht als selbstverliebt einschätzen! dennoch gibt es sicherlich einige blogger da draußen auf die das wie die faust aufs auge passt ^^…

    xoxo, L.
    ——————
    http://www.LiyahGoesHollywood.de

  • Ich finde deine Ansichtsweise sehr gut. Ich würde sogar wünschen mehr Menschen würden sich selber mehr lieben. Nicht selbstverliebt aber sich selbst lieben. Ich finde es gibt einen Unterschied zwischen das positive und negative… Ich applaudiere alle die sich trauen einen persönlichen Blog zu führen, sogar ein Paar sehr erfolgreich. Da kann ich nur sagen, hut ab und toller Post!

    Chiara

    http://www.culturewithcoco.com

    http://www.instagram.com/culturewithcoco

  • Seh interessanter Post. Ich finde auch wir Frauen sollten einander unterstützen und uns nicht gegenseitig runtermachen. Leider müssen da viele noch einen weiten Weg gehen um sich von gewissen vorurteilen freizumachen.

    Viele Grüße
    Bearnerdette

  • Toll geschrieben :) Naja manchmal nerve ich zumindest meine Unifreunde mit dem ganzen Bloggequatsche, aber nach 2-3 Gläsern Weisswein ernte ich dann eher Bewunderung, einfach dafür eben genau zu tun was du beschrieben hast. Sich oder besser die Mode einem Publikum zu präsentieren, weil es einfach Freude macht Punkt.

    Liebe Grüsse

    Flowery

    http://www.beautynature.ch

  • Ein schöner Post, Fee! Ich mag ganz besonders den Absatz, in dem du dich dafür aussprichst, dass Frauen sich nicht selbst heruntermachen „müssen“, sondern sich in aller Ruhe ziemlich dufte finden dürfen – da sprichst du mir total aus dem Herzen! Ob ich als Bloggerin selbstverliebt bin… Hm, nein, selbstverliebt würde ich nicht sagen, aber ich mag die Anerkennung der LeserInnen für das, was ich tue – also ist ein bißchen Ego-Schmeichelei sicher auch manchmal dabei, so viel Selbstkritik darf sein ;) Liebe Grüße! Kea

  • Ein wunderschöner Text. Die letzten zwei Absätze gefallen mir besonders gut. Wir Frauen sollten uns nicht ständig „klein“ machen oder uns ständig mit anderen vergleichen. Viel mehr sollten wir uns gegenseitig unterstützen.

    Liebe Grüße Martina
    http://www.kleidsam.org

  • Ein schöner Post zu einem wirklich wichtigen Thema.
    Ich würde von mir sogar eher behaupten, dass ich unsicher bin, weil ich mich oftmals frage ob ein Artikel gut genug zum Posten ist.

    Den Gedanken, dass es „in“ ist seinen Körper zu hassen, hatte ich auch schon mal und ehrlich gesagt hat er mich wahnsinnig erschrocken. Denn so rum ist es doch krank! Und nicht so rum, dass man sich ganz einfach wohl fühlt und Fotos von sich postet.

    Ach und es passt zwar eigentlich nicht, aber ich finde, du siehst auf dem Bild wahnsinnig schön aus!

    Liebe Grüße:)
    https://searchingforkitsch.blogspot.de/

  • Gut beschrieben!
    Aber uns Bloggern wird sowieso viel nachgesagt – wir sind ja nicht nur selbstverliebt, sondern wir „müssen ja auch nur bisschen was schreiben und dazu Fotos machen“. :D

    Aber schöne Anekdote mit dem Schlabberpulli! :)

    Ganz liebe Grüße
    Louise <3

    4. Hippie-Kleider im Orient-Look

    http://jovialouise.lima-city.de/

  • Richtig guter Post. Denke auch nicht, dass man jeden Blogger direkt als selbstverliebt abstempeln kann. Aber die meisten Nicht-Blogger stehen den Bloggern ja sowieso kritisch gegenüber :D.

    Liebe Grüße
    Priscilla

  • Ein wirklich unglaublich gut geschriebener Beitrag und auch inhaltlich stimme ich dir da zu 100% zu. Man ist nicht perfekt und das ist ok. Es heißt zwar immer wieder, dass man mit sich selbst zufrieden sein soll, wenn man es dann ist, wird man häufig als eingebildet abgestempelt. Schade!

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